Zeltlager

Glanzlicht des Jahres

Malbild ZeltlagerTimo geht in die vierte Klasse der Grundschule. Und obwohl er am Hexenbruch wohnt und hier seine meisten Freunde hat, muss er den Unterricht in der Sanderau, in der Stadt besuchen. Die Schulen in Höchberg waren leider übervoll. Er würde gern an den Hexenbruch, denn mit seinen städtischen Mitschülern kommt er einfach nicht zurecht. Sie schließen ihn aus, hänseln ihn. Er fühlt sich nicht akzeptiert.
Deswegen ist Timo froh, dass es die KjG St. Norbert gibt. Hier hat er Freunde gefunden, fühlt sich akzeptiert. Hier ist er gerne.
An einem Mittwoch kurz vor den Pfingstferien spielen sie in der wöchentlichen Gruppenstunde „Alle die“, das ist so ähnlich wie „Alle Vögel fliegen hoch!“. Martin, einer von Timos Mit-Grüpplingen, ist an der Reihe:
„Alle die, die gerne in die Schule gehen“, ruft er laut. Alle reißen die Arme nach oben. Nur Timo nicht. Er geht ja nicht gerne in die Schule.
Bastian, sein Gruppenleiter hat Timos Reaktion beobachtet, er unterbricht das Spiel und fragt den Jungen, warum er denn nicht so gerne in die Schule gehe.
Als Timo von seiner Situation und seinen Mitschülern erzählt, die ihn einfach nicht beachten wollen, da hat Martin eine Idee. „Wir fahren doch nächste Woche alle mit der KjG wieder auf Zeltlager.“ „Na und“, sagt Timo fragend. „Pass auf“, sagt Martin. „Wenn du nach den Ferien zurück in die Schule gehst, dann fragt eure Lehrerin doch sicher, was ihr in den zwei Wochen gemacht habt?“ „Normal schon“, antwortet Timo. „Dann erzähl ihnen doch einfach von Zeltlager, dann werden sie Augen machen.“
Malbild Zeltlager „Ja“, ruft Stefan. „Erzähl ihnen von den spannenden Nachtwachen und den tollen Überfällen!“ „Order vom leckeren Essen“, meint der mopsige Peter. Und auf einmal will jeder etwas beitragen: „vom Lagerfeuer“, „dem Wandertag“, „den lustigen Gruppenleitern“, „dem Banner, der über dem Platz hängt“, „den tollen Aktionsspielen“, „oder vom Raufen im Zelt“, „davon, dass man sich nicht jeden Tag waschen muss“, „vom Donnerbalken“, „vom Lagerfußball“, „vom Gabber und seinen hässlichen Morgenmantel“, „vom Zusammenhalt der Gruppe“, „vom bestimmt wieder tollen Thema“, „vom spät ins Bett gehen“, und so geht das weiter bis Bastian die Jungs wieder beruhigt hat.
„Ich glaube“, bemerkt der Gruppenleiter, „die anderen haben Recht. Damit wirst du sie sicher beeindrucken!“
Als Timo nach den Ferien wieder in die Schule kommt und die Lehrerin wie vorgesehen in die Klasse fragt, da meldet er sich als erster und beginnt zu erzählen....

– Michael Dill